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Die Ungewohntheit der Nähe

Es gibt Verbindungen, die entstehen nicht aus Planung, sondern aus einem leisen Ineinanderfallen zweier Leben. Sie wachsen nicht, weil sie erlaubt sind, sondern weil sie möglich sind. Und manchmal sind gerade jene Begegnungen , die unter einem unausgesprochenen Vorbehalt stehen, von einer besonderen Intensität. Man weiß früh, daß sie nicht in eine ordentliche Zukunft passen. Man spricht es aus, beinahe nüchtern, fast vernünftig. „ Es geht nicht .“ Ein Satz wie ein Geländer, an dem man sich festhalten will. Und doch stehen zwei Menschen nebeneinander und vermögen sich nicht zu lösen. Zwischen Pflichtgefühl und Sehnsucht spannt sich ein unsichtbarer Faden. Niemand will jemand anderem das Leben beschweren. Niemand möchte Ursache eines fremden Schmerzes sein. Und dennoch trägt man eine Zeit in sich, die man um keinen Preis missen möchte. Gerade weil sie unerlaubt, unvernünftig oder unpassend erschien, war sie von einer Dichte, die selten ist. Man hätte es anders definieren kön...
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Werden unsere Kinder zum ersten Mal dümmer als ihre Eltern?

Über fast zwei Jahrhunderte hinweg erzielten Kinder im Durchschnitt bessere kognitive Testergebnisse als ihre Eltern. Dieser kontinuierliche Anstieg standardisierter Messwerte wird als Flynn-Effekt bezeichnet. Bessere Ernährung, bessere Schulbildung und eine zunehmend komplexe Umwelt galten als Treiber dieser Entwicklung. Doch dieser Trend stagniert – in einigen Ländern kehrt er sich um. Mehrere groß angelegte Untersuchungen in Europa zeigen seit den 2000er-Jahren sinkende Testergebnisse. Eine norwegische Studie von Bratsberg & Rogeberg (2018) dokumentierte messbare Rückgänge von IQ-Werten bei jüngeren Jahrgängen – nicht genetisch bedingt, sondern umweltbedingt. Internationale Vergleichsstudien wie PISA der OECD belegen ebenfalls: Rückgänge bei Lesekompetenz Schwächere mathematische Leistungen Probleme beim Verständnis längerer Texte Sinkende Problemlösefähigkeit Das sind keine gefühlten Wahrheiten. Das sind Messwerte. Aufmerksamkeit ist trainierbar – und verlernbar ...

Produktivität wird gefordert – aber nicht verstanden

 Der Artikel „Schwächelnde Wirtschaft: Wie Arbeit produktiver werden soll“ in der Tagesschau ( https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/produktivitaet-forderungen-politik-100.html ) beschreibt die aktuelle wirtschaftspolitische Debatte korrekt: Produktivität ist der Output pro Arbeitsstunde und damit eine zentrale Voraussetzung für Wohlstand, steigende Löhne und stabile Steuereinnahmen. Der Text dient hier als Anlass , nicht als alleinige Grundlage. Die darin zitierten Positionen stehen exemplarisch für eine breiter geführte politische Diskussion über Arbeitszeit, Leistung und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Denn genau an diesem Punkt zeigt sich ein grundlegendes Problem der gesamten Debatte: Produktivität wird zwar richtig definiert – in der politischen Argumentation jedoch häufig mit Arbeitszeit verwechselt . Was folgt, ist keine Kritik an einem einzelnen Artikel, sondern eine grundsätzliche Betrachtung der aktuellen Arbeitszeit- und Produktivitätsdebatte. Meh...

Energie, Struktur, Prozess - Warum Zeit kein Fundament ist

Ein ontologischer Essay 1. Grundannahme Das Universum besteht nicht aus verschiedenen Substanzen, sondern aus einer einzigen physikalischen Grundgröße : Energie. Materie ist kein eigenständiges ontologisches „Etwas“, sondern eine stabile, strukturierte Konfiguration von Energie . Unterschiede zwischen Dingen entstehen nicht durch ihr Wesen, sondern durch Organisation, Bindungsstruktur, Dichte und Wechselwirkung . Es gibt nur ein Fundament – Energie – und unendlich viele Muster. 2. Ontologische Einheit Vom Elementarteilchen bis zur Galaxie gilt: Jedes physikalische Objekt ist eine spezifische energetische Konfiguration . Daraus folgt: Es gibt nur einen „Stoff“ Unterschiede sind strukturell , nicht substantiell Ein Diamant unterscheidet sich von Kohle nicht durch sein Sein, sondern durch ein anderes energetisches Gitter – ein anderes Minimum im Zustandsraum. 3. Energie, Wandel und Stabilität Energie entsteht nicht. Energie verschwindet nicht. Energie verändert ausschließlich i...

Die größte Gefahr für den Menschen ist der Mensch selbst

Eine kritische Zustandsbeschreibung – mit Blick auf die deutsche Politik Der Mensch ist fähig zu Vernunft, Weitsicht und moralischem Handeln. Die Menschheit hingegen zeigt davon im Kollektiv erschreckend wenig. Dieser Widerspruch ist kein philosophisches Konstrukt, sondern ein immer wieder beschriebenes und belegtes Muster. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie zieht sich durch Jahrhunderte – formuliert von Denkern, Militärstrategen und Beobachtern menschlichen Verhaltens, die aus völlig unterschiedlichen Richtungen kamen und dennoch zum selben Schluss gelangten. Thomas Hobbes beschrieb den Menschen als potenziellen Wolf für den Menschen – homo homini lupus . Der Satz selbst geht ursprünglich auf den römischen Dichter Plautus zurück, wurde jedoch erst durch Hobbes politisch und gesellschaftlich geprägt. Bei ihm ist die Formel keine literarische Zuspitzung, sondern eine nüchterne Machtanalyse: Ordnung entsteht nicht aus Moral, sondern aus der Begrenzung menschlicher Triebe. Gustave Le ...

Politische Lager im Wandel – Beobachtungen zum öffentlichen Diskurs

  Dauerhafte politische Grundströmungen Politische Gesellschaften sind dauerhaft von unterschiedlichen Lagern geprägt. Rechte, linke und mittlere Positionen entstehen aus verschiedenen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Perspektiven. Diese Strömungen sind kein historischer Unfall und kein temporäres Phänomen, sondern ein stabiler Bestandteil pluralistischer Gesellschaften. Entscheidend ist daher nicht die Existenz dieser Lager, sondern die Frage, wie sie sich entwickeln und wie sie miteinander umgehen . Wandel der rechten Szene seit den 1990er-Jahren Seit den 1990er- und frühen 2000er-Jahren hat sich die rechte Szene in Deutschland deutlich verändert. Während sie früher häufig durch klare äußere Erkennungsmerkmale, provokative Selbstdarstellung und eine erhöhte Bereitschaft zur offenen Konfrontation im öffentlichen Raum geprägt war, ist heute eine stärkere Zurückhaltung zu beobachten. Auffällige subkulturelle Uniformierung spielt eine geringere Rolle, ebenso offene S...

Zwischen Nervosität und Wandel: Deutschland im politischen Ausnahmezustand

Analyse von politischen Reaktionen, Machtstrukturen und gesellschaftlicher Wahrnehmung im Jahr 2025 In den vergangenen Wochen verdichten sich die Anzeichen, dass das politische Klima in Deutschland einen kritischen Punkt erreicht hat. Auf Plattformen wie X häufen sich Beiträge, die ein Verbot der AfD fordern – meist ausgelöst durch die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 9. November. Der Präsident warnte vor einer Bedrohung der Demokratie und bezeichnete das Parteienverbot als mögliches Mittel der „wehrhaften Demokratie“. Obwohl er keine Partei nannte, wurde seine Aussage weithin als Signal gegen die AfD verstanden.